In dieser Artikel Serie geht es um das Handwerkzeugs beliebter Gitarristen und Bassisten. Welches sind ihre Lieblingsgitarren oder Bässe und wie ist ihr Bezug dazu. Diesmal mit Markus Grützner (7for4, RPWL, Van Dalen, …)

Wann hast du mit dem Bass spielen angefangen und kannst du dich noch an deinen ersten Bass erinnern?
Mit 13 hab ich angefangen, mir selber Gitarre und Bass beizubringen. Vorher hatte ich ein paar Jahre klassischen Klavierunterricht. Ich hab mich dann relativ schnell auf den Bass fokussiert, hauptsächlich weil mein Banknachbar in der Schule auch Gitarre gespielt hat und einen Bassisten für seine Band gebraucht hat. Der hat mir dann so lange eingeredet wie cool Bass ist, bis ich irgendwann geglaubt habe dass es meine eigene Idee war. Sonst wäre ich vielleicht Gitarrist geworden… Vermutlich kommt diese Geschichte manchen Kollegen bekannt vor, ich war bestimmt nicht der einzige der so in die Spur gekommen ist 😉 Die ersten Bassversuche hab ich tatsächlich auf einer Konzertgitarre gemacht, bei der ich die beiden dünnen Saiten entfernt hatte. Mein erster richtiger Bass war dann irgendein japanisches Billigteil, ich glaube „Asama“ stand auf der Kopfplatte.

Ist dieser Bass noch in deinem Besitz?
Den Asama habe ich leider verliehen und nie wiederbekommen, der ist seit Jahrzehnten verschollen. Der älteste Bass den ich heute noch habe ist ein Ibanez von 1990, ich glaube das war mein dritter. Was ich allerdings noch besitze, ist mein allererster Verstärker: Ein Sound City Röhrenamp aus den frühen 70ern und eine alte 2×15“ Solton Box. Die Anlage klingt immer noch gut und kommt gelegentlich bei kleineren Gigs zum Einsatz.

Was sind deine musikalischen Einflüsse und welche Bassisten sind deine Favoriten?
Die erste Band, die ich bewusst angehört habe, waren die Beatles. Später kamen dann Hardrock Bands wie Deep Purple, Black Sabbath, Whitesnake, Rainbow und die frühen Iron Maiden auf den Plattenteller, diese Phase hat mich wahrscheinlich am nachhaltigsten geprägt. Beim Musikhören war ich eigentlich nie so fokussiert auf die Bassisten, ich fand es genauso interessant was die anderen Instrumente machen. Nachdem ich ja auch Gitarre und Keyboards spiele, hatte ich da auch einen Bezug. Aber wenn ich Bassisten nennen müsste: Geddy Lee und Les Claypool hab ich immer gerne zugehört, im Jazz/Fusion Bereich natürlich auch Jaco Pastorius.

Wie viele Bässe besitzt du und welche sind deine Favoriten?
Aktuell ein knappes Dutzend… Ich würde sagen, die Hälfte davon weil ich sie wirklich brauche (5-Saiter, 4-Saiter, Fretless etc.), die andere Hälfte eher aus nostalgischen Gründen. Mein Lieblingsbass ist ein Leduc Masterpiece 5, vor allem im Studio. Der ist auf fast allen Aufnahmen zu hören, die ich seit Ende der 90er gemacht habe, z.B. auf allen 4 Alben von 7for4. Auch auf dem letzten RPWL Album „Crime Scene“ hab ich den gespielt. Christophe Leduc ist ein französischer Gitarrenbauer, der eigentlich nur Einzelstücke auf Bestellung gebaut hat, aber auf irgendeinem Weg haben sich Mitte der 90er ein paar Instrumente in deutsche Musikläden verirrt. Das war Liebe auf den ersten Ton, das ist mir danach mit keinem anderen Instrument wieder passiert. Jahre später kam dann noch das 4-saitige Schwestermodell dazu, das ich zufällig gebraucht entdeckt hatte. Dieser Familienzusammenführung konnte ich natürlich nicht widerstehen. Auf Tour kommt zur Zeit hauptsächlich ein Marleaux Votan XS zum Einsatz. Der klingt ähnlich, ist aber etwas robuster gebaut und nicht ganz so unersetzlich wie der Leduc. Dann muss ich noch einen dritten Bass nennen. Obwohl ich eher auf Fünfsaitern zu Hause bin, gibt es Musik die ich Live lieber auf 4 Saiten spiele: Alte Rockklassiker finde ich einfach authentischer auf einem zeitgenössischen Instrument, in den 70ern gab es noch keine Fünfer. Mein G&L L-2000 kommt für solche Anlässe zum Einsatz, z.B. in meiner Van Halen Coverband oder bei einer der seltenen Pink Floyd Shows mit RPWL.


Was meinst du macht den perfekten Bass oder Verstärker aus?
Ich stehe auf Bässe, die von sich aus schon irgendwie dreckig / rotzig / aggressiv klingen (Sorry, ich weiß dass das keine Fachbegriffe sind). Die klingen dann vielleicht als Soloinstrument nicht so spektakulär, setzen sich aber im Bandkontext besser durch. Der Leduc und der Marleaux haben diese Qualität, die sind im Mix immer gut hörbar, ohne dass man sie aufdringlich laut machen muss. Und generell bevorzuge ich einfache Instrumente mit passiver Elektrik. Ich brauche keine große Klangvielfalt, ich bin schon happy wenn der eine Sound geil ist. Aktive Klangregelungen bleiben bei mir meistens ausgeschaltet.
Zu Verstärkern kann ich nicht viel sagen, die sind für mich immer unwichtiger geworden. Ich will mich da soundmäßig gar nicht abhängig machen: Wenn ich spontan auf fremdem Equipment spielen muss, soll es trotzdem nach mir klingen. Ich würde sagen, mein persönlicher Sound kommt zu 70% aus den Fingern, 30% Instrument und 0% Verstärker.

Welche Bässe und Amps benutzt du für Aufnahmen?
Hauptsächlich den Leduc und den Marleaux, außerdem bei Bedarf einen Ibanez Gary Willis Fretless Bass. Amps habe ich in den letzten Jahren gar nicht mehr benutzt im Studio, ich nehme lieber ein sauberes Direktsignal auf und überlasse den Rest dem Tontechniker oder Produzenten.

Wenn du nur einen einzigen Bass auswählen dürftest, welchen würdest du nehmen?
Definitiv den Leduc Masterpiece 5 – das ist mit Abstand die längste Beziehung die ich je hatte…
Fotos: Nicole Schaade, Adam Zegarmistrz Glagla, Jochen Weishaupt, Markus Grützner













